Kompetenz

Autonomes Fahren polarisiert

Das automatisierte Fahrzeug wird den Strassenverkehr deutlich verändern. Welche Risiken neu entstehen können und welche Unfälle sich auch künftig nicht vermeiden lassen, zeigt die AXA Winterthur an ihren heutigen Crashtests in Dübendorf.

Das vollautomatisierte Fahrzeug wird die Verkehrssicherheit erhöhen, davon sind die Unfallforscher der AXA überzeugt. Dennoch wird es auch in Zukunft Unfälle geben. An ihren heutigen Crashtests in Dübendorf zeigt die AXA mit drei Crashs, welche neuen Risiken entstehen und welche Unfälle sich auch mit der besten Technik nicht vermeiden lassen. Gleichzeitig präsentiert sie die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage. Diese zeigt, dass das Thema polarisiert: Rund jeder vierte der befragten Schweizer würde in Zukunft gerne oder sehr gerne ein autonomes Fahrzeug nutzen – rund die Hälfte der Befragten möchte dies hingegen nicht oder sogar auf keinen Fall.

Technik unterstützt den Menschen

Aus einer Sicherheitsperspektive unterstützen die Unfallforscher der AXA den technologischen Fortschritt hin zum vollautomatisierten Fahren. Bereits heute lässt sich nachweisen, dass manche Fahrerassistenzsysteme die Sicherheit deutlich erhöhen. So belegen Studien der AXA Unfallforschung, dass Personenwagen mit Notbremsassistenzsystemen je nach untersuchtem Fahrzeugmodell zwischen 30 und 69 Prozent weniger Auffahrkollisionen verursachen.

Da die AXA Winterthur vom Potenzial solcher Systeme überzeugt ist, will sie in Zukunft die Sicherheitsausstattung eines Fahrzeugs bei der Tarifierung noch stärker berücksichtigen als dies heute schon der Fall ist. Als erster Schritt in diese Richtung offeriert sie von Januar bis März 2018 Kunden, die ein Auto mit Notbremsassistent erwerben, einen einmaligen Prämienrabatt.

«Über 90 Prozent aller Unfälle werden heute nach wie vor vom Menschen verursacht. Mit einer verbesserten Technik, ausgereifteren Sensoren und weiterentwickelten Systemen bin ich überzeugt, dass das automatisierte Fahrzeug die Sicherheit deutlich erhöhen wird», erklärt Bettina Zahnd, Leiterin Unfallforschung & Prävention bei der AXA Winterthur.

Jeder zweite hat Bedenken

Zahlreiche Fragen in Bezug auf die Einführung der automatisierten Fahrzeuge sind derweil noch offen, unter anderem, wie gross die Akzeptanz der Autofahrerinnen und Autofahrer sein wird. Wie die Umfrage der AXA aufzeigt, ist das Vertrauen in die Technik noch eher verhalten: Rund die Hälfte der Befragten gab an, dass sie es einem Computer nicht zutrauen, dass er zuverlässig steuern kann und sich im Verkehr richtig verhält. Aber auch die Freude am Fahren kommt zur Geltung: Mehr als 60 Prozent der befragten Männer und Frauen gaben an, dass sie Freude am Autofahren haben und nicht darauf verzichten möchten.

Trotz gewisser Vorbehalte glaubt immerhin jeder dritte Befragte, dass autonome Autos künftig sicherer fahren werden als der Mensch. Auffällig ist, dass Frauen und Männer dies sehr unterschiedlich beurteilen: So sind 47 Prozent der Schweizer Männer der Meinung, dass autonome Autos in Zukunft sicherer fahren werden als der Mensch, von den Frauen denken dies nur gerade 22 Prozent. Männer und Jüngere zeigen sich insgesamt offener fürs autonome Fahren als Frauen und ältere Personen. Von den 18-34-Jährigen sagt fast die Hälfte der Befragten in der Schweiz, dass sie die Zeit der Autofahrt gerne für andere Tätigkeiten wie arbeiten, lesen, schlafen oder anderes nutzen würden, von den über 35-Jährigen sagt dies rund jeder Dritte.

Die Umfrage zeigt zudem auf, dass der Anspruch an die Sicherheit von automatisierten Fahrzeugen seitens der Befragten äusserst hoch ist: Rund 40 Prozent aller Befragten sind der Meinung, dass autonome Fahrzeuge nicht nur weniger Unfälle verursachen sollten als herkömmliche, sondern dass sie gar keine Unfälle verursachen dürfen, um als sicher zu gelten.

Neue und bestehende Risiken im Crashtest

Die Vision, dass es in Zukunft gar keine Unfälle mehr geben wird, ist aus heutiger Sicht jedoch noch unrealistisch. «Durch softwarebasierte Lösungen entstehen neue Risiken, die heute noch nicht beziffert werden können, wie etwa technische Mängel oder auch Hackerangriffe, deren Risiko durch vernetzte Fahrzeuge zunehmen wird», so die Unfallforschungsexpertin Zahnd. Was dabei passieren kann, zeigt die AXA heute in einem Crash, bei dem die Fahrzeugbremse manipuliert wird, so dass das Auto mit voller Motorleistung beschleunigt anstatt zu bremsen.

Daneben gibt es bestehende Risiken, die sich auch in Zukunft nicht vermeiden lassen. Dazu gehören beispielsweise Naturereignisse oder Glasschäden. Welche Schäden etwa ein Steinschlag am Fahrzeug verursachen kann, zeigt die AXA in einem weiteren Crashversuch.

Eine Unfallbilanz von null Toten und Verletzten ist auch deshalb noch in weiter Ferne, weil Personenwagen nur bei einem Teil der Unfälle involviert sind und sich durch das automatisierte Fahren nur diese Unfälle vermeiden lassen könnten. Andere Unfälle, wie etwa Selbstunfälle von Velofahrern oder Motorradfahrern, werden die Unfallbilanz weiterhin belasten. «Es ist zudem denkbar, dass in einer Übergangsphase, in der automatisierte, teilautomatisierte und herkömmliche Autos sowie andere Verkehrsteilnehmer gleichzeitig im Verkehr anzutreffen sind, die Unfallquote ansteigen wird, da der Mischverkehr neue Herausforderungen für alle Beteiligten mit sich bringt», erklärt Bettina Zahnd.

Für Unfallopfer ist auch in Zukunft gesorgt

Fest steht, dass die AXA Winterthur weiterhin für sämtliche Schäden gegenüber Dritten aufkommen wird, die durch ein bei ihr versichertes Fahrzeug entstehen, unabhängig davon, ob es sich um ein automatisiertes oder herkömmliches Fahrzeug handelt. «Anschliessend werden wir prüfen, wer die Verantwortung für den Unfall trägt und ob beispielsweise ein technisches Versagen zum Unfall geführt hat. Um solche Fragen müssen sich unsere Versicherten und die Geschädigten aber nicht kümmern – das übernehmen wir als Versicherer und für die Leistungen im Schadenfall ist in jedem Fall gesorgt», so Zahnd.

Da bisher noch kaum ein Auto vollautomatisiert im Verkehr fährt, liegen noch keine Erfahrungen zur Unfallwahrscheinlichkeit oder möglichen Ursachen vor. In der Unfallrekonstruktion sowie in der Unfallursachenforschung war bisher die Analyse von Bremsspuren und Beschädigungen am Fahrzeug entscheidend. Mit der zunehmenden Vernetzung der Fahrzeuge werden jedoch die Daten, welche das Fahrzeug aufzeichnet, immer wichtiger, um den Unfallhergang genau zu rekonstruieren. «Ohne Zugang zu unfallrelevanten Fahrzeugdaten wird es in Zukunft nicht mehr möglich sein, einen Unfall eindeutig aufzuklären», betont Bettina Zahnd.

Fahrzeugdaten sind für die Unfallrekonstruktion unerlässlich

Schon heute werden bei neueren Fahrzeugen zahlreiche Daten aufgezeichnet und automatisch an den Fahrzeughersteller übermittelt. Autofahrer sind sich jedoch oftmals nicht bewusst, welche Daten dies sind. Bisher ist die Frage, wem die Hoheit über die Daten zukommt, noch nicht geklärt. Die Unfallforscher der AXA fordern Transparenz und Entscheidungsrechte für die Fahrzeughalter. «Der Fahrzeughalter muss selber bestimmen können, welche Daten übermittelt werden, wer auf seine Fahrzeugdaten zugreifen kann und für welchen Zweck diese verwendet werden. Im Falle eines Unfalls muss zudem geklärt sein, in welcher Form die Daten für die Unfallanalyse herangezogen werden können», erklärt Bettina Zahnd.

Forderungen der Abteilung Unfallforschung & Prävention der AXA Winterthur

  • Transparenz über den automatischen Transfer von Fahrzeugdaten: Autohalter müssen darüber informiert werden, welche Daten von ihrem Fahrzeug automatisch aufgezeichnet und übermittelt werden
  • Datensouveränität: Autobesitzer müssen selber über die Verwendung und Nutzung der Fahrzeugdaten bestimmen können
  • Unfallanalyse: Im Falle eines Unfalls müssen unabhängige Stellen wie Polizei und der betroffene Versicherer Zugriff auf die unfallrelevanten Daten erhalten, um die Unfallursache eindeutig ermitteln zu können

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