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Und von oben droht die Drohne

Aufnahmen aus der Luft haben einen ganz besonderen Charme. Kein Wunder, möchten immer mehr Menschen mit Drohnen filmen und fotografieren. Doch kaum einer bereitet sich richtig darauf vor und kennt die Risiken.

Am Olympiaturm in München knallt eine ausser Kontrolle geratene Drohne nur knapp neben einer Familie ins Gras. Weil eine Drohne in die Windschutzscheibe eines Autos fällt, kommt es auf der Autobahn fast zu einem Crash. Am Flughafen München fliegt eine Drohne in rund 1000 Metern Höhe gefährlich nahe an ein Flugzeug, wenige Tage zuvor hat ein Drohnenpilot im Landkreis Dachau bei München beinahe einen Zusammenstoss mit einem Airbus A 321 der Lufthansa mit 110 Passagieren verursacht.

Das sind keine Sequenzen aus einem Hollywood-Thriller, sondern Ereignisse, die tatsächlich stattgefunden haben. Drohnen sind das neuste Spielzeug für film- und fotobegeisterte Hobbyfotografen. Exakte Verkaufszahlen gibt es für den Schweizer Markt keine, aber laut Auskunft des Einzelhandels schnellen die Verkaufszahlen in die Höhe, und inzwischen wird die Zahl der Drohnen hierzulande bei mehreren zehntausend vermutet. Die Deutsche Flugsicherung schätzt die Anzahl Drohnen im Nachbarland auf 400’000. Und in den USA geht die Luftfahrtbehörde davon aus, dass allein im Jahr 2016 zirka zwei Millionen dieser unbemannten Multicopter verkauft wurden.

Auch am Himmel gelten Regeln
Doch nur die wenigsten der frischgebackenen Drohnenpiloten wissen um die möglichen Gefahren, die mit einem Drohnenflug verbunden sind, oder um die rechtlichen Konsequenzen. «Das grösste Risiko ist der Mensch selbst», sagt Martin Schumacher, Inhaber der Firma Air-View®. Mit der Verbreitung von Drohnen hat er sein Geschäftsfeld erweitert und bietet nicht nur professionelle Drohnenaufnahmen an, sondern schult angehende Drohnenpiloten in ihrem neuen Hobby. «Wenige wissen, was sie mit einer Drohne machen dürfen, wo und wann sie was filmen dürfen und wann es am Himmel für ein ferngesteuertes Flugobjekt gefährlich wird», sagt er. So ist es beispielsweise verboten, mit der Drohne über eine grosse Menschenmenge zu fliegen – dennoch so geschehen an der Street Parade 2014 in Zürich. Ein Hobbypilot filmte die Parade über der Quaibrücke in Zürich. «Auch wenn die Drohne vielleicht nur 500 Gramm wiegt: Wenn sie von oben in eine Menschenmenge stürzt, kann das schwere Folgen haben», sagt Schumacher. Nicht umsonst ist die Handhabung der Multicopter in einigen Ländern restriktiv geregelt. Im Gegensatz zur Schweiz, wo keine Lizenzen erforderlich sind, müssen sich Drohnenpiloten in Österreich, Italien und Frankreich registrieren, Prüfungen ablegen und jeweils genau angeben, wann und wo sie fliegen wollen und was sie filmen möchten, und dafür eine Lizenz einholen.

Sonneneruptionen stören das GPS
Für den erfolgreichen Flug braucht es jedoch noch einiges mehr als eine schriftliche Erlaubnis. «Das A und O ist die Vorbereitung – auch das ist den wenigsten Menschen bewusst», sagt Schumacher. Es beginnt bei der Abklärung der Witterungsverhältnisse oder der Überprüfung auf mögliche topografische Hindernisse auf Google Maps und endet bei der Prüfung möglicher Sonneneruptionen am Flugtag. «Die von der Sonne ausgelösten Solarstürme können das GPS-Signal und eine Drohne massiv stören», weiss Flugspezialist Schumacher. Wenn er Aufnahmen in einem besiedelten Gebiet macht, plant er zudem genügend Zeit für die Vorbereitung ein, weil er sich bei den Menschen, die in dem Gebiet leben, wo er filmen möchte, mit Ausweis und Versicherungsnachweis vorstellt und sein Vorhaben ankündigt und so der natürlichen Skepsis der Menschen entgegentritt, denn niemand wird gerne ohne sein Wissen gefilmt oder fotografiert. Dies kommt immer sehr gut an und trägt zu einem positiven Image bei.

Einfache Bedienung
Die heutigen modernen Drohnen sind relativ einfach zu handhaben und schnell startklar. Die automatisierte Technik der Geräte ist dabei Fluch und Segen zugleich, denn wenn alles automatisch läuft, muss sich der Pilot immer weniger Gedanken machen, beispielsweise um den Ladestand der Batterie. «Das ist so, als würde man mit dem Auto losfahren, ohne zu kontrollieren, ob Benzin im Tank ist, ohne sich die Route vorher anzusehen und ohne eine Versicherung abzuschliessen», sagt Schumacher. Aber im Gegensatz zum Autofahren, wo man schnell irgendwo anhalten kann, ist es bei einer Drohne schwieriger. «Sobald sie einmal in der Luft ist, hat man keine Zeit mehr, um zu planen und allfällige Störfaktoren zu eliminieren», weiss Martin Schumacher. Daher widmet er auch einen grossen Teil seiner Schulungen der optimalen Vorbereitung eines Drohnenflugs und übt mit den angehenden Drohnenpiloten auch Worst-Case-Szenarien. Dann kann er auch schon mal etwas gemein sein und schaltet einfach mal die Fernsteuerung aus, um zu schauen, wie die Piloten unter Stress regieren.

«Wir versichern auch die kleinen Drohnen.»
Dragan Preradovic, Verkaufsleiter GA Bern-West, hat innerhalb der AXA Winterthur die Drohnenversicherung mitentwickelt und deren Implementierung vorangetrieben.

Kann man Drohnen versichern?
Mit unseren Drohnenversicherungen können wir sowohl für juristische wie auch für natürliche Personen Versicherungslösungen im Bereich der Haftpflicht und auch im Bereich der Kasko anbieten.

Wie kann ich mich absichern, wenn ich eine Drohne fliegen lasse?
Die AXA Winterthur versichert seit neustem schon kleinste Drohnen mit einem Gewicht ab 500 Gramm. Diese sind gegen innere wie äussere Beschädigung, beispielsweise ein plötzliches Abstürzen oder durch den Eintritt eines Elementarereignisses, und gegen Diebstahl versichert. Diese Haftpflicht müssen Unternehmenskunden jedoch in einer separaten Police abschliessen.

Wie können sich Privatleute absichern?
Neuerdings können auch Privatkunden ihre Drohnen nicht nur in der Privathaftpflicht, sondern auch im Bereich der Kasko über die Haushaltsversicherung versichern. Hier wird genau die gleiche Gewichtsabgrenzung gemacht wie für KMU-Kunden.

Was ist mit grösseren Drohnen?
Für Drohnen ab einem Gewicht von 30 Kilo können wir lediglich die Haftpflicht abdecken. Bei diesem Gewicht muss der Halter, ob KMU- oder Privatkunde, so oder so beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) eine Flugerlaubnis einholen. Aber auf dem Markt sind solche Drohnen mit einem Gewicht von mehr als 30 Kilo eher selten.

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