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Viele Junge haben keine Ahnung

Die Reform Altersvorsorge 2020 bietet die Chance, sich mit einer der wichtigsten Zukunftsfragen zu befassen. Eine Umfrage der AXA Winterthur zum Thema „Generationenfairness“ zeigt jedoch, dass die junge Generation diese Chance noch nicht nutzt und den Reformbedarf zu wenig erkennt.

Das Vorsorgesystem, ein wichtiger Teil des «Erfolgsmodells Schweiz», steht unter Druck: Der Umwandlungssatz in der beruflichen Vorsorge ist zu hoch, zwischen den Generationen wird massiv umverteilt, Kapitalanlagen werfen wenig Rendite ab und die demographischen Veränderungen nehmen weiter zu. Unlängst gab das Bundesamt für Statistik bekannt, dass die Zahl der Rentnerinnen und Rentner bis 2045 gesamtschweizerisch um über 50 Prozent zunimmt und dann über einen Viertel der Bevölkerung ausmacht. Seit Jahren wird darüber diskutiert, wie man den Lebensabend künftiger Generationen finanzieren kann. Einfach gesagt stehen zum Erhalt der Rentenleistungen im jetzigen Umfeld drei Massnahmen zur Verfügung: Wir sparen mehr, wir erhalten weniger Rente oder wir arbeiten länger. Das Reformpaket «Altersvorsorge 2020» beinhaltet eine Kombination der oben genannten Massnahmen (siehe Box).

Mangelndes Interesse der Bevölkerung

Die AXA Winterthur wollte wissen, welche Resonanz diese Reform in der Bevölkerung findet. Bei der repräsentativen Studie bei rund 1000 Befragten fiel auf, dass sich eine deutliche Mehrheit bisher kaum oder gar nicht mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Männer und Deutschschweizer fühlen sich insgesamt jedoch besser informiert als Frauen bzw. Westschweizer. Der Frage, ob eine Reform der Altersvorsorge dringend nötig sei, stimmten 35 Prozent zu, 41 Prozent gaben keine klare Antwort. Quer durch die Umfrage zeigt sich, dass vor allem die jüngeren Teilnehmenden (18- bis 39-Jährige) mit unsicheren Mittelwerten oder «weiss nicht» antworten. Rund ein Drittel von ihnen kann nicht sagen, ob sie durch die Reform benachteiligt werden und wie sich die Umverteilung in der zweiten Säule auf sie auswirkt. Die Jungen selbst sehen sich aber am wenigsten von der Altersvorsorgereform betroffen (8%). Auch bei dieser Frage ist der «Weiss-nicht»-Anteil mit 33 Prozent sehr hoch. Dies offenbart ein erhebliches Informationsdefizit gerade bei jener Altersgruppe, die ein persönliches Interesse an nachhaltigen Lösungen haben sollte. Im Gegensatz dazu steigt mit zunehmendem Alter und höherem Einkommen die Zustimmung für Reformen in der Altersvorsorge. In diesen Gruppen ist auch das Wissen über das Vorsorgesystem am grössten.

Generationenfairness im Fokus

Bei der AXA setzt man sich aktiv mit der Zukunft unseres Vorsorgesystems auseinander. «Was wir heute entscheiden, prägt die Zukunft. Wir müssen jetzt dafür sorgen, dass die Finanzierung der Altersvorsorge stabilisiert und die Umverteilung zwischen den Generationen in der beruflichen Vorsorge gestoppt wird», so Thomas Geber, Leiter Leben der AXA Winterthur. Die AXA unterstützt deshalb die Reform Altersvorsorge 2020 – als einen Schritt in die richtige Richtung – und setzt sich für eine transparente Information der Versicherten ein. Mittelfristig werden allerdings weitere Anpassungen nötig sein. Es braucht eine Diskussion um das «richtige» Rentenalter und um die Entpolitisierung der Parameter im BVG.  «Wir haben eine grosse Verantwortung», so Thomas Gerber. «Nehmen wir sie wahr, indem wir für langfristige Rentensicherheit für künftige Generationen einstehen.»

«Altersvorsorge 2020»

Das Reformpaket sieht vor, das Rentenalter auf 65 Jahre zu vereinheitlichen und gleichzeitig zu flexibilisieren. Zur Sicherung der Renten in der beruflichen Vorsorge soll der Umwandlungssatz – begleitet von Kompensationsmassnahmen – von heute 6.8 Prozent auf 6 Prozent gesenkt werden. Ebenso soll die Mehrwertsteuer schrittweise um ein Prozent erhöht werden. Die AXA Winterthur unterstützt diese Massnahmen. Sie empfiehlt jedoch, konsequent auf Reformvorschläge zu verzichten, die nicht dazu beitragen, die Renten unter Beibehaltung des heutigen Leistungsniveaus zu sichern und/oder die Reform gefährden. Momentan berät die Kommission für Soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrates über die Reform. Der Nationalrat entscheidet als Zweitrat in der Herbstsession darüber. Mit einer Volksabstimmung ist 2017 zu rechnen.

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