Menschen

Beratung mit Hand und Fuss

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. So hat sich Carmelina Tona in Eigeninitiative die Gebärdensprache angeeignet. Heute berät sie als erste AXA Mitarbeiterin Gehörlose in Vorsorgethemen und Sachversicherungen.

«Einmal zu oft habe ich ‹ich will› gesagt, und am nächsten Tag lag die Anmeldebestätigung für den Gehörlosenkurs auf dem Tisch». Carmelina Tona spielte schon lange mit dem Gedanken, in ihrer Freizeit einen solchen Kurs zu besuchen. Am Schluss war es aber ihr Mann, der ihren Worten Taten folgen liess und sie anmeldete. «Wir sind seit 32 Jahren glücklich verheiratet und unterstützen uns bei unseren Träumen gegenseitig,» so die 53-Jährige. «Ich will» hat sie denn auch schon bereits fünf Mal zu ihm gesagt, das letzte Mal an einer Elvis-Hochzeit in Vegas.

Wertschätzung im Kundenkontakt

Angefangen hat alles vor 20 Jahren, als Carmelina Tona noch als Check-in-Agent und später als Customer Service Managerin am Flughafen Zürich arbeitete. Damals bediente sie am Schalter Passagiere aus aller Welt und konnte Tag für Tag ihr Sprachtalent unter Beweis stellen. Die gebürtige Italienerin spricht neben Deutsch auch Italienisch, Englisch, Französisch und Spanisch. «Die Kundinnen und Kunden freuen sich, wenn man ihre Sprache spricht. Man darf Fehler machen. Aber alleine der Versuch ist es wert, wenn sich der Kunde dadurch besser verstanden und abgeholt fühlt», so Carmelina. In ihren fünf Jahren am Flughafen gab es natürlich auch immer wieder Passagiere, die gehörlos oder gehörbeeinträchtigt waren. Für Carmelina Tona war dies der Moment, in dem sie sich zum ersten Mal Gedanken machte, Gebärdensprache zu lernen. «Ich wollte auch diesen Passagieren ein gutes Gefühl geben. Freude an der Sprache hatte ich schon immer, wieso also nicht Gebärdensprache lernen und mit der ganzen Welt kommunizieren können?», dachte sich die quirlige Powerfrau.

Carmelina Tona
Carmelina Tona, Leiterin Innendienst, AXA Hauptagentur Jann Boller, Wallisellen

 

«Züri-Dütsch» in Gebärdensprache

Schon im ersten Gebärdenkurs wurde Carmelina Tona eines Besseren belehrt: «Die Gebärdensprache ist genauso vielfältig wie die gesprochene Sprache. So unterscheiden sich die Gebärden nicht nur von Land zu Land, sondern auch innerhalb der Schweiz gibt es verschiedene Dialekte». Wenn man «Brot» auf «Züri-Dütsch» sagen wolle, forme man mit den Händen ein längliches Pfünderli – im St. Galler Dialekt hingegen ein rundes St. Galler Brot. Mittlerweile besucht die zweifache Mutter den dritten Konversationskurs. «Wir unterhalten uns über Politik, analysieren die Tagesschau, besprechen Alltagsthemen oder lernen auch mal Kinderlieder wie «Hoppe hoppe Reiter», erklärt Carmelina lachend. Neben der Sprache thematisiere man aber auch die kulturellen Aspekte. «Auch wenn ich selbst nicht gehörlos bin – meine offene und entspannte Art macht es mir leicht, auf andere Menschen zuzugehen», so die lebenslustige Optimistin und ergänzt mit einem Augenzwinkern: «Und bestimmt kommt mir bei der Gebärdensprache auch mein Italienisches Temperament zu Gute – meine Hände sind auch in der gesprochenen Sprache stets im Einsatz».

Erster Versicherer mit Vorsorgeberatung für Gehörlose

Ihre erste Beratung in Gebärdensprache bei der AXA kam eher zufällig zu Stande. Vor vier Jahren erreichte Carmelina Tona, die heute als Leiterin Innendienst bei der AXA Hauptagentur in Wallisellen arbeitet, einen Anruf der Dolmetscher-Plattform «procom». Als die Kundin dann erfuhr, dass Carmelina sich in Gebärdensprache verständigen kann, nahm sie den weiten Weg vom Hallwiler See auf sich, und fuhr zu ihr nach Wallisellen in die Hauptagentur. «Ich war damals erst im zweiten Semester und total nervös. Das Gespräch hat dann aber wirklich Spass gemacht – danach hatte ich einen richtigen Höhenflug», erinnert sich Carmelina und ergänzt: «Die meisten Gehörlosen erwarten nicht, dass man ihre Sprache kann und sind dann umso mehr begeistert, dass sie sich ohne fremde Hilfe unterhalten können».

Diversität hat viele Gesichter

Für Carmelina Tona bedeutet die Möglichkeit, Kundinnen und Kunden auch in Gebärdensprache zu beraten, dass bei der AXA das Thema Vielfalt nicht nur grossgeschrieben, sondern auch gelebt wird: «Diversität hat viele Facetten. Es betrifft nicht nur Themen wie Mann und Frau oder unterschiedliche Altersstrukturen. Diversität schliesst auch andere Kulturen und Sprachen mit ein, und damit auch die Gebärdensprache».

Für die Zukunft wünscht sich Carmelina, dass die Gebärdensprache nichts Exotisches mehr ist, und es eines Tages auch gehörlose Mitarbeitende mit direktem Kundenkontakt gibt. Gewiss ist aber, dass die Gebärdensprache – ob beruflich oder privat – auch künftig ein fester Bestandteil ihres Lebens sein wird und sie noch viel lernen will.

3 Kommentare

  • Virginia Tona

    Ich wusste schon immer das meine Mutter viele Talente hat, umso mehr freut es mich zu sehen das sie mit der Gebärdensprache allen gehörlosen eine ''neue Welt'' eröffnet hat. Wieviele Versicherungsgesellschaften haben Menschen wie meine Mutter die gehörlose direkt am Schalter bedienen können? Ich kenn keine..*smile* Es wäre aber an der Zeit!
    Ich finde es super und bin sehr stolz auf meine Mutter. You did it.

  • Lautenschlager

    Gratulation. Das freut uns sehr. Eventuell wäre es sogar interessant, mit diesem Angebot bei der Deafmesse am 11. Mai 2019 in Basel mitzumachen: www.deafmesse.ch

  • Melika Binay

    The Power-Lady-Carmelina Tona... :-)
    Vor genau 10 Jahren war sie meine Teamleiterin und nach ihr hatte ich einige Teamleiter kennenlernen dürfen. Aber sie wird immer im Herzen bleiben!

    Ein Mensch mit viel Herzblut und eine wahre Führungskraft!!
    Den Glücks-Engel als Abschlussgeschenk (vor 10 Jahren!)
    von Carmelina begleitet mich bis heute - an jedem neuen Arbeitsplatz!

    Wer sie als Führungskraft hat, kann sich glücklich schätzen.
    Dass sie die Gäberdensprache umsetzt... verwunderlich? Nein!
    Die Kunden werden sich freuen!

    Carmelina... Ein Unikat!

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