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AXA Winterthur setzt auf Blockchain-Technologie

Die AXA Winterthur entwickelt gemeinsam mit AdNovum und weiteren Partnerunternehmen ein digitales Dossier auf Blockchain-Basis, in dem die gesamte Historie eines Autos abgelegt ist.

Uber, Carsharing, vernetzte und selbstfahrende Autos: Die Autoindustrie befindet sich in einem raschen Wandel – das hat auch Auswirkungen auf die Versicherungsindustrie: «Aufgrund der Veränderungen im Markt möchten wir das Thema Mobilität künftig ganzheitlicher und stärker aus Sicht unserer Kunden betrachten und die Chancen nutzen, die uns gerade auch neue Technologien bieten», erklärt Carola Wahl, Head Transformation & Market Management der AXA Winterthur. Die AXA investiert deshalb gezielt in den Mobilitätsbereich und prüft dabei auch neue Services, die über die traditionelle Versicherung hinausgehen. Ein aktuelles Beispiel: Gemeinsam mit dem Software-Unternehmen AdNovum, der Universität Zürich, der AMAG, Mobility, der Hochschule Luzern und dem Strassenverkehrsamt Aargau entwickelt die AXA Winterthur ein digitales Car Dossier.

Dank Blockchain zu transparentem Occasionsmarkt

Car Dossier ist eine digitale Plattform auf Blockchain-Basis, auf der alle relevanten Informationen über den gesamten Lebenszyklus eines Autos gesammelt werden. Die Informationen können von allen relevanten Stakeholdern eingespeist und genutzt werden: dem Hersteller, dem Händler, dem Versicherer, den Reparaturbetrieben, den Strassenverkehrsämtern und vom Besitzer selbst. «Vereinfacht gesagt, funktioniert die Blockchain wie ein digitaler Kontoauszug, auf dem sämtliche Daten und Transaktionen rund um ein Auto aufgeführt sind. Der Besitzer verfügt dadurch über ein digitales Serviceheft, das absolut transparent, fälschungssicher und nachvollziehbar ist», sagt Head of ICT Innovation Engineering Lorenz Hänggi, der seitens AXA Winterthur das Car Dossier mitentwickelt.

Weiteres Projekt im Bereich Mobilität

Gemeinsam mit der Swisscom hat die AXA Winterthur am Kickstart Accelerator eine gemeinsame Lösung im Bereich Mobilität entwickelt: Rent’n’Share bietet das Angebot einer langfristigen Automiete mit der Möglichkeit, das Fahrzeug auf einem Sharing-Pool weiterzuvermieten und damit Geld zu verdienen. Der Vorteil: In der Miete ist von der Versicherung über die Reparatur bis zur Anlieferung alles inbegriffen – nur der Treibstoff und die Parkkosten müssen selbst bezahlt werden. Darüber hinaus ist der Fahrzeughalter viel flexibler – wer Lust hat, kann im Sommer Cabrio und im Winter SUV fahren. www.rentnshare.ch

In einem ersten Schritt fokussiert das Projekt auf den Eigentümerwechsel im Gebrauchtwagenmarkt. «Von den rund 4,5 Millionen in der Schweiz registrierten Autos wechseln pro Jahr circa 900’000 den Besitzer», so Matthias Loepfe, Head of AdNovum Incubator. «Wenn sämtliche Vorgänge an einem Auto unveränderlich auf der Blockchain festgehalten werden, kann es keine Zweifel mehr am Zustand des Fahrzeugs geben. Das würde Reparaturen erleichtern und den Occasions-Handel stark vereinfachen», erklärt Loepfe die Vorteile.

Neue Technologie, neue Arbeitsweise

Die Idee zum Car Dossier wurde von AdNovum und der Universität Zürich entwickelt, umgesetzt wird das Projekt aber in einem Konsortium mit weiteren etablierten Partnern: «Car Dossier bietet uns die Chance, den Businessnutzen von Blockchain-Lösungen an einem konkreten Beispiel aufzuzeigen und in enger Zusammenarbeit mit hochkarätigen Industriepartnern und Hochschulen eine innovative Lösung zu entwickeln. Neu ist dabei nicht nur die Technologie, sondern auch die Art der Zusammenarbeit», so Matthias Loepfe von der AdNovum.

Auch die AXA Winterthur sieht im Car Dossier viel Potenzial für die Zukunft: «Waren bis anhin dutzende Verträge und Absprachen mit allen Beteiligten in der Autobranche notwendig, müsste künftig nur noch eine Police ausgestellt werden, das könnte den Autoversicherungsmarkt nachhaltig verändern», sagt Lorenz Hänggi. Im Konsortium zu arbeiten, hat auch für den Head ICT Engineering der AXA Winterthur nur Vorteile: «Jeder unserer Partner ist ein Spezialist auf seinem Gebiet und deckt einen individuellen Kontaktpunkt im Lebenslauf eines Fahrzeugs ab. Das ermöglicht uns, die individuellen Stärken zu nutzen, um ein zukunftsweisendes Geschäftsmodell zu entwickeln und innovative zeitgemässe Lösungen rund um das Thema Mobilität anzubieten.» Car Dossier ist im Oktober gestartet, der Go-Live der Plattform ist für den Sommer 2019 geplant.

Car Dossier

Car Dossier ist ein digitales Dossier auf Blockchain-Basis, in dem alle relevanten Informationen über den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs nachvollziehbar und sicher abgelegt sind. Die Informationen können von verschiedenen Stakeholdern eingespeist und genutzt werden. Die Bearbeitung und Verwaltung aller Informationen im Dossier geschieht unter Einhaltung der Datenschutzbestimmungen und anderer regulatorischer Vorgaben.

Car Dossier wird im Konsortium durch die Softwarefirma AdNovum, die Universität Zürich, die Hochschule Luzern sowie den Industriepartnern AMAG, AXA und Mobility und dem Strassenverkehrsamt Aargau entwickelt. Mitfinanziert wird das Projekt durch die Kommission für Technologie und Innovation (KTI), wodurch mehrere PhD, Master- und Bachelorarbeit an Uni Zürich und der Hochschule Luzern ermöglicht werden. Car Dossier ist im Oktober 2017 gestartet, der Go-Live der Plattform ist für Sommer 2019 geplant.

3 Kommentare

  • Bischofberger Bernhard

    Spannend, aber diese Idee wurde bereits am Swiss Legal Hackathon 2017 mit genau der gleichen Technologie und Idee - nur für Passagierflugzeuge - von 2 Tüftlern präsentiert und mit dem 3. Platz prämiert.

  • Michel Helg

    Ich habe gerade kürzlich gelesen, dass die Blockchain Berechnung (für Bitcoin) gigantisch viel Strom braucht. Wenn das stimmt, und viele auf diese Technologie aufspringen um irgendwelche Dossiers zu führen, dann würde der weltweite Stromverbrauch explodieren und es müssten neue Kernkraftwerke gebaut werden...
    Mich dünkt man müsste gleichzeitig auch den ökologischen Footprint davon in Betracht ziehen - und vielleicht dann den Schluss ziehen, dass die Technologie zwar clever ist, aber sich unter dem Strich für die Welt nicht rechnet.

  • Bettina Zahnd

    Spannende Idee mit Potential für Unfallanalyse, Unfallforschung und Prävention!

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